Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich vorbei an dieser Frau. Es ist 11 Uhr, Sie trinkt das erste und vermutlich nicht letzte Starkbier an diesem Tag. Bei ihr läuft, denke ich mir, im wahrsten Sinne des Wortes.

Nicht die einzige Begegnung an diesem Tag. Ich schaue die Menschen an, eigentlich tue ich das immer. Mit all Ihren Kuriositäten und Abarten, mit all Ihren Facetten und schönen Seiten.

Ich wundere mich nicht selten, warum die Menschen gewisse Dinge tun, warum Sie sind, wie Sie eben sind. Oft steht ein großes Fragezeichen in mein Gesicht geschrieben und in den meisten Fällen bleiben meine Fragen unbeantwortet. In vielen Fällen vermutlich zu meinem besseren.

Ich fahre mit meinem Fahrrad vorbei an den unterschiedlichsten Charakteren. Manche Gesichter blinzeln mich an, mit einem Lächeln oder einem Nicken, das mir ein freudiges „Hallo“ zu signalisieren scheint. Wieder andere Gesichter schauen mich müde an, ausgelaugt, vom Alltag, vom Stress den der Tag mit sich bringen wird, oder der letzten viel zu kurzen Nacht. Und dann gibt es da noch die verbitterten Menschen. Man hat Sie noch nie zuvor gesehen, geschweige denn Ihnen etwas unrechtes getan und doch schenken Sie einem diesen einen Blick, der einen sofort spüren lässt, wie es um Ihre Laune gestellt ist. Einfach so. Ohne Grund. Vermutlich ist es nicht einmal persönlich, Sie werden an diesem Tag den unterschiedlichsten Menschen diesen Blick „schenken“.

Gerne erinnere ich mich in solchen Momenten an das Wesen „Ohngesicht“ aus der Kinderserie „Chihiros Reise ins Zauberland“. Ein eigenartiges und dennoch so faszinierendes Wesen, dessen Charakter weder gut noch böse war. Das Ohngesicht war neutral. Es war wie ein Spiegel der Menschen. Es war immer genau das, was sein Gegenüber Ihm entgegenbrachte. Und irgendwie, wenn man so überlegt, ist es doch bei uns Menschen nicht anders. Natürlich kann man nicht jeden Griesgram mit einem Lächeln um den Finger wickeln und doch kann ein kleines Lächeln sehr viel bewirken.

Ja, ein kleines Lächeln. Es schenkt nicht nur dem Gegenüber ein wundervolles Gefühl, sondern es positiviert auch das eigene Gemüt und somit auch den Alltag. Ja, es macht einen riesigen Unterschied, ob man den Tag mit einem Lächeln beginnt. Es sind nicht immer alle Tage einfach, es gibt unschöne Momente, traurige Ereignisse, gar Schicksalsschläge. Aber, man sollte jeden Tag dankbar sein, an dem es einem gut geht.

Mit einem Lächeln und einer positiven Einstellung fällt so vieles leichter. Ja, eigentlich, fällt alles leichter. Manchmal steht man vor Aufgaben, die man nicht zu bewältigen weiß, deren Lösung in weiter Ferne liegt. Geht man dieses Problem negativ an, so wird es einen belasten, vieles wird schief gehen, ja, vielleicht wird man sogar daran scheitern. Eine negative Energie, die nicht nur zum Scheitern führen wird, sondern auch dazu, dass es einem nicht gut geht. Packt man das vermeintliche Problem aber mit einem positiven Gedanken an, wird man einen Weg finden, es zu lösen und nicht nur das, es wird sich auch verdammt gut anfühlen, es zu bewältigen. Man wird belohnt, mit einem Erfolgserlebnis, vielleicht hat man schlussendlich sogar Spaß bei der Bewältigung.

Und so ist es auch im Alltag, jeden Tag. Natürlich kann man mit schlechter Laune aufstehen, sich über seine Arbeit ärgern, den ganzen Tag still oder sogar lautstark in sich hinein meckern, aber, man hat immer eine Wahl. Man entscheidet sich für die Frustration, oder dafür am Ende des Tages mit Stolz behaupten zu können, alles geschafft zu haben, was man sich für den Tag vorgenommen hat und das sogar mit einer positiven Seele und somit mit einem tollen Gefühl. Und irgendwie, wenn man so positiv ist, gibt es plötzlich gar nichts mehr zu meckern.

Wäre es nicht schön, wenn ich künftig noch ein paar mehr lächelnden Menschen auf meinem Weg begegnen würde, denke ich mir.

Willkommen im Alltag……..