Leben, eigentlich etwas ganz selbstverständliches….zumindest will man das meinen. In Wirklichkeit schaut es aber oft anders aus. Gesteuert vom Alltag verstreichen die Tage wie im Fluge und das Leben zieht an einem vorbei. Man freut sich die ganze Woche auf das Wochenende und die „großen Momente“, manchmal verliert man dadurch den Blick für die vielen kleinen Dinge und Momente.

Manchmal muss es vielleicht auch erst einen Denkanstoss geben, um zu verstehen, dass die vielen Annehmlichkeiten und Geschenke, die das Leben täglich für einen bereit hält, nicht selbstverständlich sind.

Es ist nicht selbstverständlich, dass man jeden Morgen aufwacht. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass man immer etwas zu Essen hat, wenn einen der Hunger beschleicht. Ist es nicht wunderbar, wenn man nach einem stressigen Tag in ein warmes Zuhause kommt, wo womöglich noch der Mensch auf einen wartet, den man von ganzen Herzen liebt? Oder die Tatsache, dass man einen Job hat und nicht um seine Existenz fürchten muss? Viel zu oft vergessen wir all diese Dinge und ärgern uns über den Alltag, unseren Beruf, den Stau nach Feierabend oder kleine Lappalien, anstatt einfach mal dankbar dafür zu sein, was wir haben.

Momente schaffen und bewusster genießen, dass ist es, was man sich zu Herzen nehmen sollte. Und wenn es nur der Moment ist, in dem man sich einen leckeren Kakao mit Sahne gönnt, oder einem Menschen, den man liebt eine kleine Freude macht. Momente schaffen heißt auch Dinge zu tun, die man liebt und vielleicht nicht alles 3 mal zu überdenken. Man hat Lust nach Berlin zu fahren, was liegt da näher, als sich einfach im nächstmöglichen Moment in den Zug zu setzen und loszufahren? Warum müssen wir immer alles verkomplizieren?

Ich lebe in den Tag, was nicht heißt, dass ich keine langfristigen Wünsche habe. Ich war nie gut darin zu sparen, aber vielleicht hat dies auch einen Grund. Vielleicht ist es dumm, einfach eine Tasche für 500 Euro zu kaufen, wenn man knapp bei Kasse ist. Vielleicht ist es aber auch genau das, was man in diesem Moment braucht und tun sollte, einfach, weil es einen in dem Moment glücklich macht und man nie wissen kann, was Morgen ist. Es ist schön Geld zu besitzen, aber schöner ist es doch, davon zu leben und auch denen etwas zu geben, die es wirklich brauchen. Am Ende ist es nicht das Geld oder materielle Dinge die zählen.

Leben heißt, auch mal die Komfortzone zu verlassen und etwas verrücktes zu tun.

Man sollte aufhören sich über Dinge zu ärgern und Sie auch mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Und wenn es nur die Tatsache ist, sich einfach mal zu freuen, dass man seine Katze hat und mit Ihr das Leben teilen darf, anstatt sich darüber zu ärgern, dass Sie wieder mal auf den Rand der Toilette gekackt hat, nachdem man Sie erst 5 Minute zuvor mühevoll gereinigt hat. Man ärgert sich viel zu oft über Dinge, die es eigentlich gar nicht wert sind. Und oft ist es eine Sache des Blickwinkels, zugegeben ist das Beispiel etwas ungewöhnlich. 😉

Manchmal kehrt man in sich, und wünschte sich, man könnte die Zeit zurückdrehen. Man wünscht sich Weihnachten vor 20 Jahre, noch einmal den Duft vom leckeren selbstgebackenen Kuchen der Oma zu riechen, seine turtelnden Eltern zu beobachten und mit dem Opa durch die ganze Wohnung zu jagen. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Oma hat Alzheimer und könnte sich nicht einmal mehr an das Rezept für den so geliebten Kuchen erinnern. Ihr Mann, mit dem Sie 75 Jahre jeden Tag verbrachte kann nur noch vom Himmel zuschauen und die Eltern sind bereits seit 18 Jahren geschieden.

Es ist leichtsinnig zu denken, dass man das Leben steuern kann, denn das kann man nicht. Man kann wünschen und hoffen, aber manche Dinge hat man nicht in der Hand.

Heute denkt man noch an seine Zukunft…..wie oft habe ich mir ausgemalt, wie ich später mit meinem Vater auf der Veranda unserer Finca auf Mallorca sitze und die Sonne genießen…..und Morgen ist plötzlich alles anders. Nie habe ich in Frage gestellt oder auch nur angezweifelt, ob es diesen Moment überhaupt geben wird. Es war mein Plan, es war so selbstverständlich, ich wollte es ja schließlich so. Leben heißt wohl auch zu akzeptieren, zu akzeptieren, dass man nicht alles steuern kann und im Leben nicht immer alles nach Plan läuft.

Leben heißt vor allem zu leben und zwar im Jetzt und nicht im Morgen, denn man weiß nie, wie dieses Morgen wohl aussehen wird.

Umso wichtiger ist es anzufangen diese kleinen und großen Momente eben nicht als selbstverständlich anzusehen, sondern dankbar zu sein, für die Dinge, die wir haben, statt etwas nachzujagen, was wir vielleicht nie erreichen werden. Es heißt nicht, dass man keine Ziele haben sollte, ganz im Gegenteil. Es heißt einfach nur zu Leben.

Man kann die Zeit nicht zurück drehen, aber man kann anfangen zu Leben, nicht bald, nicht Morgen, jetzt!!