Nachdem der Tag mit Baugeräuschen von der an unsere Schlafzimmerwand angrenzende und nervenraubende Baustelle nicht ganz so ideal begonnen hat, begebe ich mich wieder einmal in mein Massage-Studio.

Die Massage: für viele Leute eine schöne und wohlige Vorstellung. Für mich immer mit gemischten Gefühlen verbunden, aber mehr dazu gleich. Freudestrahlend werde ich begrüßt und meine Laune bessert sich schlagartig. Bei einem kleinen Plausch mit leckerem thailändischen Kräutertee schwelgen wir in Gedanken an die thailändische Inselwelt und die vielfältigen Landschaften in Nordthailand.

Nun begrüßt mich auch meine Masseurin Jasmin, zumindest nennt Sie sich selber so. Ich aber weiß aus meinen vergangenen Terminen, dass Sie in Wirklichkeit Hulk ist. Als kleine zierliche Thailänderin getarnt, lebt Sie in Leipzig und hält sich in meinem Massagestudio versteckt. Jasmin oder Hulk überrascht mich immer wieder mit Aussagen wie „Du haben wieder zu viel Stress und schlafen wenig“ und „Schmerzen sehr viel kommen von Hüfte auch in Arm“ , welche bei der bloßen Ansicht von meinem Rücken aus Ihr heraus sprudeln. Mein persönliches Highlight bleibt jedoch Ihre Argumentation für meine Schmerzen: „Du haben Nacken wie Stier“. Jasmin hat einen fantastischen Schmerzradar und findet zielgenau immer genau die Stelle, welche bei mir diesen Schmerz auslöst, der sich durch jede Gehirnwindung bis in die Fußspitzen zieht.

Meine lieben Tattoo-Freunde, wenn Ihr denkt, eine 6-stündige Tattoo-Session sei „unangenehm“, dann kennt Ihr noch nicht Jasmin!! Ich ertappe mich dabei, wie ich während der Massage immer wieder vorsichtig teste, ob ich meine Finger und Zehen noch bewegen kann. Es gibt mir einen Hauch von Sicherheit. Nach einigen schmerzhaften Turnübungen mit mir als Matratze und vollem Körpereinsatz von Jasmin auf meinem Rücken, bin ich froh, als die Massage beendet ist.

Noch leicht benommen, aber froh, dass mein Körper scheinbar noch alle wichtigen Funktionen wie „Laufen“ aufweist, verlasse ich den Salon und mache mich auf den Weg zu meiner Firma. Zu Fuß. Ich ärgere mich, dass ich den doch recht weiten Weg nicht wie gewohnt mit meinem Auto zurücklegen kann. Leider haben sich kürzlich ein paar, scheinbar von allen guten Geistern verlassenen, nennen wir Sie mal „Menschen“, an meinem Auto vergriffen (mehr dazu beim nächsten Mal).

Auf dem Weg zu meinem Büro schlendere ich durch das wunderschöne Waldstraßen-Viertel von Leipzig mit seinen vielen Altbauten. An einem kleinen Blumenlädchen halte ich kurz Inne und bestaune die vielen bunten und zauberhaften Blümchen und Sträuße, als mir plötzlich eine Verkäuferin entgegen winkt.

Eh ich mich versehen kann, halte ich eine wunderschöne magentafarbene Blume in der Hand. „Geschenkt“, sagt die Verkäuferin und zaubert mir damit nicht nur ein Lächeln auf die Lippen. Das Sie bei Ihrer Wahl ausgerechnet meine Lieblingsfarbe getroffen hat, verzaubert mich abermals. Wäre ich wie immer mit dem Auto in meine Firma gefahren, so wäre ich an diesem Tag sicherlich nicht an dem kleinen süßen Blumenladen vorbei gekommen.

Und so nehme ich nicht nur die wunderschöne Blume dankend an, sondern auch die Erkenntnis, dass alles Schlechte auch immer etwas Gutes hat.